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Contrails

Natürlich gibt es sie auch über Berlin, die Contrails der Überflieger. Hier sind es vor allem die Routen zwischen Asien und den größeren europäischen Flughäfen wie Amsterdam, London, Paris und Frankfurt, die ihre Präsenz bei geeigneten Wetterlagen durch Contrails zeigen. Auch wenn sie über Berlin (oder besser: von Berlin aus) zu sehen sind, haben sie mit den Berliner Flughäfen nichts zu tun. Wie es generell so ist, dass Contrails völlig unabhängig von einem Flughafen in der Nähe sind, denn sie stammen von Flugzeugen, die von weit weg nach weit weg fliegen. Die Aussage „Ich wohne am Frankfurter Flughafen, deshalb sehe ich viele Contrails.“ ist also völliger Quatsch.

Auch hier ist es so, dass Fotos und Videos von Contrails über das Internet schnell und weit verbreitet werden. Sei es einerseits durch Menschen, die sich einfach dafür interessieren oder auch durch die fanatischen Chemtrail-Verschwörungstheoretiker, die in Panik ihre Weltuntergangsmärchen unter die Leute bringen. Wie auch immer, viele haben dadurch den subjektiven Eindruck, es seien nun ganz besondere Kondensstreifen und es seien viel mehr geworden.

Fakt ist jedoch: Kondensstreifen gibt es, seit es motorbetriebene Fliegerei gibt. Ihr Verhalten (bzw. Aussehen) hat sich in der Zwischenzeit grundsätzlich auch nicht geändert - ihr Erscheinungsbild ist abhängig von den Umgebungsbedingungen; aber auch von Flughöhe, Flugphase, Größe (bzw. Masse) des Flugzeuges usw. Eine voll besetzte A380 wird (unter sonst gleichen Bedingungen) beim Steigflug einen wesentlich fetteren Streifen hinterlassen als eine Cessna im Reiseflug. Alles wie immer, man muss eben nur die konkreten Bedingungen unterscheiden.
Fakt ist aber auch, dass es immer mehr Fliegerei wurde. Durch deren Ausbreitung mussten neue Airways festgelegt werden, musste sogar die vertikale Staffelung (vertikaler Abstand zwischen Flugzeugen) reduziert werden. Deshalb ist es kein Wunder, dass es heute natürlich wesentlich mehr Contrails als früher gibt, wenn die jeweilige Wetterlage es hergibt. Man muss auch bedenken: In der Höhe reicht wesentlich weniger Wasser zu einer Sättigung als am Boden.

Kondensstreifen werden auch oft verwendet, um zu zeigen, wie schmutzig die Fliegerei ist. Dummerweise ist das aber genau das, was eigentlich am saubersten ist - Contrails bestehen nahezu nur aus Wasser und das stammt auch nicht mal von den Flugzeugen selbst, sondern zum Großteil aus der Umgebung. Die dortige Feuchtigkeit bekommt durch die Contrails oft erst die Möglichkeit, zu kondensieren. Was das Schädliche an den Contrails ist, ist deren Klimawirksamkeit. Sie begünstigen Wolkenbildung in einer sensiblen Höhe, die die Wärmeabstrahlung behindert. Für das Klima ist das natürlich nicht gut.

Zwar gibt es intensive Forschung, um Kondensstreifen zu reduzieren. Noch haben wir sie aber und können sie interessiert beobachten, denn sie sind nicht einfach nur Streifen am Himmel. Kein Contrail gleicht dem anderen; jeder erzählt etwas über Umgebungsbedingungen, Wetter und die Physik der Wirbelschleppen.

Hier gibt es mehr Informationen dazu - gleichzeitig ist es Debunking der Chemtrail-Verschwörungstheorie:
Streifen
Komische Formen.

Übrigens beschrieb Goethe schon 1820 „gegitterte Streifen“. Damals gab es noch keine Flugzeuge. Es müssen also nicht immer Kondensstreifen sein:

Donnerstag, den 18ten Mai

Früh ganz klarer Himmel, nach und nach leichte Zirrus, um Mittag seltene, höchst auffallende Erscheinung, die mich aus der Enge auf eine freie Stätte rief. Von Westen herauf, mit entschiedenem Südwind, zogen lange, zarte Zirrusstreifen, einzeln und vereinigt; im Vorwärtsziehn krümmten sie das vordere Ende zu kleinen Wölkchen, etwas niedriger zogen unbestimmte, weiße Wölkchen, die von jenen Streifen mit aufgenommen wurden, sonst standen noch alle Arten von Zirrus am bläulichen Himmel, Schäfchen, gegitterte Streifen, alles in Bewegung und Verwandlung.

Der Himmel überwölkte sich nach und nach. Von der Prager Straße angesehen, zeigten sich die Wolken in mancherlei Formen; doch immer Auflösung drohend. Abends acht Uhr, unter Blitz und Donner Regengüsse.

Freitag, den 19ten Mai

Klarer Morgen, doch bald wieder leicht bewölkt, fortgesetzte Bewölkung den ganzen Tag über. Abends, den Schlackenwerther Weg herabfahrend, vielfache, Gewitter drohende Wolkengestaltung. Um die untergehende Sonne trübe Atmosphäre und ein weißer, hie und da farbiger Kreis, teilweise deutlicher und undeutlicher zu bemerken. Nachts gewaltiger Regenguß, mit Donner und Blitz.