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Gewitter über Berlin:
Tipps

Blitzfotografie - Wie nimmt man Blitze auf?

Fotos mit Blitzen sind erfahrungsgemäß gerne gesehen, aber leider nicht immer so einfach aufzunehmen. Es wird zwar bei Gewitter oft fotografiert, aber wenn man sich freut, dass man einen Blitz getroffen hat, ist die Ernüchterung groß, wenn man auf dem Foto dann doch gar keinen Blitz sieht oder eine große weiße Blase.

Die Frage, wie man Blitze aufnimmt, kann man nicht pauschal beantworten - zu verschieden sind die möglichen Herangehensweisen. Es gibt Trigger, die automatisch auslösen; es gibt Apps, die das Knipsen von Blitzen vereinfachen. Hier sind Tipps aufgrund meiner Erfahrungen seit vielen Jahren Blitzfotografie:

Hat man vor, sich einem Gewitter auszusetzen, um Blitze einzufangen, muss natürlich an erster Stelle die Sicherheit stehen. Dies gilt umso mehr, je dichter das Gewitter ist. Es gibt zwar ein paar Faustregeln (schlägt an höchster Stelle ein, Sekunden zählen), aber diese Regeln kennt ein Blitz nicht.
So schlägt er schon mal an einer niedrigeren Stelle ein, weil er so den geringsten Widerstand zum Potentialausgleich hat und so gibt es tatsächlich den sprichwörtlichen Blitz aus heiterem Himmel), der weit entfernt von der eigentlichen Zelle einschlägt.

Die Cam wird in die Richtung gedreht, in der das Gewitter zu erwarten ist. Hinsichtlich der Brennweite muss man beachten, dass die Blitze nicht immer an derselben Stelle einschlagen - also lieber etwas weniger Brennweite und das Bild nachträglich beschneiden. Wenn ein wunderschöner Blitz außerhalb des Bildauschnitts einschlägt, ist das sehr ärgerlich.

Zum Beobachten der Zugrichtungen von Gewittern und damit wichtig für die Blickrichtung der Cam können folgende Seiten sein:

Dabei sollte beachtet werden, dass man trockene Blitze schon in Entfernungen von 50 km sieht. Der Blitz auf dem Foto war in dieser Entfernung, allerdings auch die Brennweite sehr hoch.

Ganz wichtig ist vor den ersten Fotos, dass die Uhr der Kamera geprüft wird. Wenn man später auf kachelmannwetter.com die Blitze suchen und zuordnen möchte, ist es sehr ärgerlich, wenn die Zeiten in den Fotos nicht stimmen.

Zum Aufnehmen von Blitzen reicht es in den meisten Fällen nicht aus, die Cam einfach auf den Himmel zu richten und abzudrücken. Die Automatik der Cam richtet sich nach allem, aber nicht nach dem ausgewogenen Verhältnis von Blitz zu Umgebung. So kann es zum Beispiel bei Gewittern große Unterschiede bei folgenden Einstellungen geben, die man manuell vornehmen muss:

Also: Automatik ausschalten und Einstellungen selbst vornehmen. Das spart nebenbei noch mächtig Akku.

Sollen sich andere Objekte mit im Bild befinden, kann auf ein Objekt in ausreichender Entfernung scharfgestellt werden. Es darf allerdings bei einer kleinen Blendenzahl kein Objekt verwendet werden, das sich in der Nähe der Cam befindet, weil sonst durch die Tiefenunschärfe der Blitz unscharf wird. In der Regel kann man allerdings auch auf „Unendlich“ stellen.

Tipp bei DSLR: Objektiv auf „Automatisch“ stellen, Objekt in weiter Ferne anvisieren und den Auslöser halb drücken, gleich danach Objektiv auf „M“ stellen. Anschließend nicht mehr an den Schärfering kommen!

Bei manchen Cams wird nach der Aufnahme das Bild im Display angezeigt. Diese Funktion sollte unbedingt ausgeschaltet werden - erstens schont das den Akku und zweitens geht so keine Zeit bis zum nächsten Auslösen verloren. Man muss davon ausgehen, dass sowieso mindestens die Hälfte der Aufnahmen später gelöscht wird, weil sie nichts enthalten.

Da ein Stativ verwendet wird, sollte auch der Bildstabilisator (IS, OS, oder wie immer der heißt) ausgeschaltet werden. Man vermeidet dadurch unerwünschte Effekte (Aufschaukeln).

Wenn es möglich ist, sollte die Cam auf Fernbedienung gestellt werden (Kabel o. a.). Dadurch umgeht man das Betätigen des Auslösers an der Cam - diese wird dadurch nicht bewegt, die Cam kann nicht schwingen und es erfolgt trotz Langzeitbelichtung keine Verwackelung. Ob bei einer DSLR eine Spiegelvorauslösung notwendig ist, muss jeder selbst testen. Ich habe sie nie genutzt.

Blitze fängt man am besten mit einer langen Belichtungszeit ein. Hier gibt es keine Richtwerte, weil das natürlich vom Tageslicht, bei Dunkelheit aber vor allem vom Umgebungslicht abhängig ist. Und auch die Blende spielt eine Rolle - dazu später mehr.

Am besten ist, die Belichtungszeit so einzustellen, dass gerade so keine Farben im hellen Bereich abgerissen werden. In ländlichen Gegenden können das bei Dunkelheit durchaus 30 Sekunden sein, in der Stadt mit der typischen Lichtverschmutzung können aber schon 10 Sekunden zu viel sein.
Bei Tageslicht ist das natürlich schwer - vor allem, wenn das Gewitter etwas weg ist und die Sonne noch zu sehen ist.

Wichtig hierfür ist, die ISO auf die niedrigste Zahl zu stellen, was i. d. R. 100 sein sollte.

Die Blendenzahl ist bei der Blitzfotografie die wichtigste Einstellung überhaupt.

Sie hat hier weniger Bedeutung für die Schärfentiefe und sie sollte auch nicht missbraucht werden, um die Belichtungszeit verlängern zu können. Warum? Wir müssen bedenken, dass wir es bei Blitzen nicht mit herkömmlichen statischen Motiven zu tun haben, die immer gleich beleuchtet sind. Das Licht statischer Motive wird über den gesamten Belichtungszeitraum auf dem Sensor abgebildet. Beim Blitz ist es jedoch anders - dessen Licht kommt nur in dem Moment auf den Sensor, in dem er sichtbar ist. Dieses Licht kann mal mehr und mal weniger sein, es ist jedoch nur den kleinen Moment sichtbar und in diesem Moment muss es auf den Sensor treffen.

Ist die Blende nun offen (kleine Blendenzahl, zum Beispiel 4), lässt sie viel Licht durch. Dadurch werden auch kleine Blitze mit geringer Lichtstärke besser abgebildet, aber die Lichter bei anderen Lichtquellen reißen auch schneller ab, weil sie eben dauerhaft aufgenommen werden. Ist dann jedoch ein Blitz greller oder dichter, ist er überbelichtet und man sieht unscharfe Konturen und weiße Flecke wie im Beispielfoto. Oft liest man dann, dass der Blitz nahe dran gewesen sei - Unsinn, der ist einfach überbelichtet.
Eine kleine Blendenzahl (also offenere Blende) eignet sich vor allem dann, wenn das Gewitter sehr weit weg ist. Kommt das Gewitter näher, muss man nach und nach die Blende schließen, also die Blendenzahl erhöhen. Dabei ist natürlich wichtig, dass man sich immer mal die aufgenommenen Fotos ansieht.

Wird die Blende hingegen geschlossen (große Blendenzahl, zum Beispiel 8), kann man länger belichten, weil die externen Lichtquellen nicht so schnell abreißen. Allerdings werden kleine Blitze kaum oder überhaupt nicht abgebildet und ggf. fehlen auch sämtliche Verästelungen, weil die lichtschwächer als der Hauptblitz sind. So kann es passieren, dass man nur eine Linie sieht, obwohl der Blitz, wie im unteren Foto, viele Äste hatte.

Deshalb gilt grob folgende Regel:

Bei Tagblitzen gilt im Prinzip das Gleiche - nur mit dem Unterschied, dass man nicht so lange belichten kann. Wenn es möglich ist, sollte man wenigstens versuchen, auf ca. 1/40 s zu kommen, damit die Wahrscheinlichkeit, einen Blitz zu erwischen, etwas größer ist. Je kürzer die Belichtungszeit, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit.

Bei Gewittern am Tag stelle ich bei der Kamera die unendliche Belichtungsreihe ein. Das heißt, dass die Kamera so lange schnell hintereinander Fotos macht, wie der Auslöser gedrückt bleibt. Allerdings muss man dabei sehr konzentriert sein, denn die Kamera speichert nach dem Loslassen des Auslösers nur die letzten drei Bilder - man muss also beim Blitz sofort den Auslöser loslassen. Reagiert man nicht sofort, kann es passieren, dass die Kamera noch drei Aufnahmen macht und dann ist das Foto mit dem Blitz weg.

Vorsicht allerdings bei Spiegelreflexkameras - die haben Mechaniken, die sich gern mal irgendwann verabschieden, den Shuttertod sterben. Viele Belichtungsreihen lassen diesen Zeitpunkt schnell näherkommen.

Mobiltelefone sind weit verbreitet und man kann natürlich damit auch versuchen, Blitze aufzunehmen. Allerdings sind sie dazu in den meisten Fällen völlig ungeeignet. Während Videos zumindest noch die Dynamik zeigen, sind die einzelnen Bilder oft unbrauchbar. Warum?

Erstens haben die meisten Mobiltelefone eine feste weit geöffnete Blende. Ist dann ein Blitz mal etwas dichter oder greller, ist das Bild hoffnungslos überstrahlt, im schlimmsten Fall komplett weiß. Auch wenn bei manchen Apps oder Mobiltelefonen etwas mit „manuelle Einstellungen“ steht - ausgerechnet die Blende ist meist fest und nicht einstellbar.

Und zweitens haben wir bei Mobiltelefonen das Problem mit dem Rolling Shutter, wodurch das Bild streifenweise auf den Sensor gebracht wird. Dadurch gibt es immer mal wieder helle und dunkle Streifen; oft fehlen dann im dunklen Streifen sogar die dortigen Teile des Blitzes.

Hat man Videos mit dem Mobiltelefon aufgenommen, kann man aber dennoch versuchen, ordentliche Frames als Fotos zu extrahieren. Das geht sehr gut mit dem Editor Shotcut.

Natrlich möchte man so früh wie möglich wissen, ob und wann man mit einem Gewitter rechnen kann. Das Problem ist nur, dass eine hundertprozentige Vorhersage nie möglich ist. Selbst wenn eine wunderschöne Zelle genau auf den Standort zukommt, kann sie im letzten Moment noch verdrängt werden oder schlagartig „verrecken“. Aber man kann die Wahrscheinlichkeit etwas eingrenzen und dazu sind folgende Links sehr hilfreich:

Habe ich was vergessen? Wenn ja, werde ich es hier noch einbauen. Ansonsten: Viel Erfolg!